Sonntag, 7. Januar 2018

13 Stufen von Kazuaki Takano - Rezension

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Penguin Verlag
392 Seiten
Roman
Krimi

Als Jun'ichi nach seiner zweijährigen Haftstrafe zu seiner Familie zurückkehrt, wird ihm klar, dass er seine Eltern mit seiner Verurteilung in den finanziellen Ruin getrieben hat. Als Nangō, sein ehemaliger Gefängnisaufseher ihn auffordert, gemeinsam mit ihm zusammen einen unschuldigen Mann vor der Todesstrafe zu bewahren und ausserdem bei Erfolg eine grosszügige Prämie zu erhalten, sieht er keinen Grund, der Aufforderung nicht nach zu kommen. Gemeinsam rollen sie den Fall erneut aus, verfolgen jede noch so geringe Spur und kämpfen gegen die Zeit um diesen Mann zu retten. Doch ist das Abwägen von zwei Menschenleben überhaupt moralisch akzeptierbar, auch wenn der eine ein Verbrecher ist? Die Wahrheit die sie enthüllen ist um einiges weitgehender, grausamer aber gleichzeitig auch menschlicher als gedacht...

Wie ich auch schon einige Male angemerkt habe, der Penguin Verlag kann es einfach, von diesem Hause habe ich wohl die meisten, wunderschönen und passenden Buchgestaltungen in meinem Regal! 

Leider muss gesagt werden, dass ich wirklich unglaublich verwirrt war am Anfang, weil der Klappentext scheinbar einen Fehler beinhaltet! Der Name des zum Tode verurteilten, wird Nangō zugeordnet, so dass ich mich lange gefragt habe, ist das richtig und einfach ein mega Spoiler oder ist das tatsächlich eine kleine Verwirrung. Nach der Lektüre kann ich nun anmerken, keine Sorge es ist kein Spoiler sondern schlicht und einfach ein Fehler. 

Der Titel 13 Stufen, spielt auf das japanische Justizsystem an; bis zu einer Verurteilung zum Tode muss die Klage von 13 verschiedenen Instanzen bestätigt werden, bevor sie vollzogen wird. Früher waren diese noch viel ersichtlicher, wobei sie heute für die unbeteiligten Bürger nicht sichtbar, jedoch noch immer stark vorhanden sind. 
Ich muss zugeben, ich wusste nicht, dass in Japan die Todesstrafe tatsächlich noch praktiziert wird und habe erst durch eine kleine Recherche herausgefunden, in wie vielen Staaten diese Form der Bestrafung doch tatsächlich noch praktiziert wird! Ich war wirklich schockiert, dadurch das dies jedoch ein reales Szenario darstellt, hat mir das Buch um einiges spannender gemacht und ich habe vieles dazugelernt. 

Mit diesem Roman kritisiert Kazuaki Takano schonungslos das japanische Justizsystem. Im Falle einer Todesstrafe muss der Vollzug innerhalb von 6 Monaten nach der Entscheidung geschehen. Jedoch wird das jeweils durch verschiedene Anträge verzögert und auch der Justizminister hat die Möglichkeit das Urteil über Jahre hinweg hinaus zu verschieben, so dass Kihara, der Verurteilte im Roman, bereits sieben Jahre im Todestrakt sitzt und täglich bangen muss, ob der Tag seiner Hinrichtung wohl gekommen ist. 
Die Entscheidung zwischen Todesstrafe oder Lebenslänglicher Haft ist oft nicht wirklich Transparenz und Nachvollziehbar. Oft kommt es darauf an, ob ein Täter Reue verspürt oder ob die Hinterbliebenen diese Strafe fordern. Am Beispiel unseres Romans, kann sich Kihara nicht an seine Tat erinnern und somit keine Reue verspüren, was automatisch zur Todesstrafe führt. 
Mit dem Protagonisten erfährt man als Leser auch klar, wie sich die Beziehung zu Bekannten und Freunden verändert, sobald man als Verbrecher gilt und im Gefängnis sitzt oder gesessen hat. Die Resozialisierung nach einem solchen Aufenthalt scheint wirklich schwierig bis kaum möglich zu sein, schon allein bei der Jobsuche oder auch bei früheren Freunden, sogar bis hin zu unstillbarer Wut in der Familie. 

Takanos Schreibstil war sehr angenehm und fliessend. Es gab immer wieder enorme Spannungsmomente, die auf jeden Fall auf den letzten 70 Seiten ihren Höhepunkt erreichten. Ich konnte das Buch jeweils kaum aus der Hand legen und war unglaublich gespannt auf die Auflösung, die mich dann auch nicht enttäuscht und völlig überrascht hat.

Die beiden Protagonisten waren sehr gut aufgebaut, ich konnte ihre Vorgehensweisen und Motive nachvollziehen und hätte wohl  in ihrer Situation ähnlich gehandelt. Obwohl Jun'ichi einen Mann umgebracht hat, sah ich ihn keinesfalls als bösartigen Mörder, sondern eher als junger Mann, der in eine schwierige Situation verwickelt war (versteht mich nicht falsch, einen Menschen zu töten war auch bei ihm keine akzeptierbare Option!). Nangō stellte für mich ein bereits erfahrener, weiser Mann dar. Ich habe die Beziehung der beiden wie eine Art Vater- Sohn- Relation wahrgenommen. Sie waren sich einerseits sehr nah und andererseits hatten sie doch viele Geheimnisse. 

Von Anfang an ist klar, dass Jun'ichi Nangō etwas aus seiner Vergangenheit verheimlicht und auch Nangō hat keine einfache Zeiten hinter sich. Das gab mir von Anfang an das Gefühl, dass etwas mit der Ermittlung nicht stimmen kann und das irgendeine Verschwörung oder ähnliches im Gange sein muss..

Auf jeden Fall ein sehr interessante Geschichte, in der ich viel über das Justizsystem in Japan erfahren habe und über die Hintergründe einer Wiedereingliederung eines Verurteilten nach seiner Haft. Ich kann dieses Buch Krimiinteressierten empfehlen und Lesern die gerne über andere Länder und deren Systeme etwas erfahren möchten. 

Vielen herzlichen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar

Kommentare:

  1. Dieses Buch möchte ich auch unbedingt lesen, da mir "Extinction" auch schon sehr gefallen hat! Kennst du es? Da ich dieses Jahr auch wieder mehr japanische Bücher und Autoren entdecken möchte, passt das Buch genau in meine Lesevorlieben von 2018!

    Schön, dass du das Buch gemocht hast!

    GlG vom monerl

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    1. Hi monerl !
      Nein, dieses kenne ich nicht, muss ich aber definitiv mal näher anschauen! Dann kann ich dir empfehlen, obwohl ich davon ausgehe dass du Haruki Murakami schon kennst und auch Kanae Minato! In meiner Reziliste findest du zu beiden Autoren sicher eine Rezension :D
      Liebe Grüsse
      Elodie

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